[Wahr] Ich dachte, er sei mein Freund
Weiß nicht, ob das zu den Kriterien des Subreddits passt, aber ich finde, dass dies unglaublich grusselig war:
Als ich im Junior Year in der High School war, erhielten meine Eltern ein Stellenangebot außerhalb unseres Bundesstaats und so war ich gezwungen, ans andere Ende des Landes zu ziehen. Ich kam erst Mitte März verspätet ins Schuljahr und es fiel mir schwer, mich auf der neuen Schule anzupassen. Einen Freund zu finden, war alles, was ich wollte. Ich war aber zu schüchtern, um mit irgendjemandem zu reden.
Zu dieser Zeit verließen meine Freunde Myspace, um Facebook beizutreten und ich tat dasselbe, um mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Einige Tage später erhielt ich eine Freundschaftsanfrage von David. David war ein Kerl, mit dem ich in meiner alten Heimatsstadt befreundet war. Naja… er war nicht wirklich mein Freund, sondern eher der Freund von einem Freund. Mein Freund Jerry hatte ihn der Gruppe vorgestellt und hatte ihn immer dabei, wenn wir alle zusammen abhingen. Wir wussten, dass David ein Jahr älter als wir war und dass er auf andere Schule ging, aber ansonsten wussten wir nicht wirklich was über ihn. Eigentlich nannten wir ihn immer nur „Jerrys Freund“, denn er machte sich nie die Mühe, mit uns zu reden.
Deshalb war ich mehr als verwirrt, als ich von ihm eine Freundschaftsanfrage auf Facebook erhielt. Er hatte kaum ein Wort mit mir gewechselt, als ich noch in seiner Nähe gewohnt hatte. Dass er also nach all der Zeit mit mir befreundet sein wollte, kam mir etwas komisch vor. Doch ich war so alleine und suchte so verzweifelt nach Freunden, dass es mir gleich war.
Abgesehen davon wirkte nichts an ihm wirklich verdächtig. Zumindest damals nicht. Wenn ich jetzt zurückblicke, erinnere ich mich, dass er kaum Bilder/Freunde hatte, als ich seine Anfrage annahm, aber wie gesagt: damals fingen die Leute gerade erst an, Facebook zu benutzen. Deshalb wirkte es doch nicht ganz so komisch, dass er so ein bescheidenes Profil hatte. Außerdem wurde seine Freundesliste über die Jahre immer größer (sogar größer als meine), sodass ich mir nichts dabei dachte.
Aber egal. Ich schweife ab. Ich nahm seine Freundschaftsanfrage an und ohne weiteres wurden David und ich Freunde. Er erzählte mir, dass er gerade sein Studium begann und dass er sich einsam fühlte, weil er zu schüchtern war, um Freunde zu finden. Ich erklärte ihm, dass ich auf der neuen Schule aus demselben Grund mit harten Bandagen kämpfte, und wir fühlten uns deshalb miteinander verbunden. Nach und nach redeten wir über mehr. Er teilte seine Probleme mit mir und ich meine mit ihm. Und als es an der Zeit war, mich auf der Uni einzuschreiben, half er mir sogar dabei. Er brachte mir bei, wie man sich für die Aufnahmeprüfungen (SATs oder die ACTs) anmeldet, er half mir dabei, mich für Stipendien zu bewerben und er übernahm sogar die Kosten für eine meiner Bewerbungen. Dafür verwendete er eine VISA-Geschenkkarte, sodass ich keine seiner persönlichen Daten erhielt und er keine von mir.
Als mein Studium dann endlich losging, war er wieder stets zu Hilfe. Er sagte mir, wo ich Bücher kaufen konnte, gab mir Lerntipps und bot mir emotionale Unterstützung. Als er mich dann nach meiner Handynummer fragte, zögerte ich nicht einmal, sie ihm zu geben. David war mein bester Freund und ich wollte den Kontakt warmhalten, auch wenn wir räumlich voneinander entfernt waren.
Zu dieser Zeit fing David an, mir mehr von seinem Leben anzuvertrauen. Und alles davon war ziemlich normales Zeug. Er hatte einen Job bei Pizza Hut, den er hasste, aber den er behalten musste, um seine Rechnungen bezahlen zu können. Fußball spielte er auch, allerdings nicht für seine Universität oder so, sondern nur mit einer Gruppe von Jungs, die sich am Wochenende trafen, um abzuschalten. Das vermutlich Größte, was er mir erzählte, war, dass er aus der Universität flog und dass ich die Einzige war, die es wusste, weil es ihm zu peinlich war, es sonst jemandem zu erzählen. Und irgendwann musste er auch wieder bei seiner Mutter einziehen, was er ganz schön hasste.
Zwei, vielleicht auch drei Jahre nach Beginn unserer Freundschaft beschloss meine Familie, in die Stadt zu reisen, in der wir vor dem Umzug gewohnt hatten. Aufgeregt teilte ich es ihm und all meinen alten Freunden von der High School mit. Die meisten waren ziemlich begeistert von der Idee, wieder zusammen abzuhängen. Schließlich ging nach der High School jeder seinen eigenen Weg. Als ich es aber David mitteilte, zeigte er wenig Interesse, sich mit uns zu treffen. Ich fand das komisch. Ich war ja nicht irgendeine Fremde, die er im Internet kennengelernt hatte, sondern jemand, der schon seit vielen Jahren ein Teil seines Lebens war.
Ich blieb hartnäckig und fragte nach einer Begründung. Und dann gab er mir endlich eine: Seine Bilder seien stark bearbeitet worden und er würde befürchten, mich zu enttäuschen, würden wir uns im echten Leben begegnen. Ich sagte ihm, dass mir sein Aussehen egal sei und ich mich einfach nur mit ihm treffen wolle. Er wollte aber immer noch nicht mit uns abhängen. Stattdessen fing er an, sich wie ein riesiger Arsch zu benehmen. Er kannte meine Schwachpunkte genau, all meine Unsicherheiten und Geheimnisse, und er fing an, mir mit diesem Wissen zu schaden. Daher hörte ich einfach auf, mit ihm zu reden.
Ein paar Wochen später traf ich mich wie abgemacht mit meinen Freunden. Und zu meiner großen Überraschung sehe ich auch David, der genauso aussah wie auf seinen Fotos. Ich verstand nicht, wieso er gelogen hatte, dass er seine Bilder mit Photoshop bearbeitet hätte, oder wieso er mir gesagt hatte, er wollte mich nicht sehen, nur um sich dann im Haus unseres Freundes blicken zu lassen. Ich war aber so wütend auf ihn, dass ich keine Fragen stellte. Ich wartete stattdessen auf eine Entschuldigung, doch David sprach mich nicht an. Er behandelte mich wie damals in der High School. Ich regte mich richtig auf, aber weil er mich aber so dreckig behandelte, dachte ich mir, dass dies nur ein weiterer Versuch war, mir unter die Haut zu gehen.
Wir alle tranken und redeten über das, was wir so machten. Und als er an der Reihe war, sagte er quasi alles, was ich schon über ihn wusste. Er wünschte, er wäre noch auf der Universität wie der Rest von uns, allerdings durchgefallen sei und noch bei seiner Mutter lebe. Er sei dort unglücklich und wolle ausziehen, doch sein Job bei Pizza Hut bringe ihm nicht genug Geld ein, dass er auf eigene Faust ausziehen könnte.
Da war ich aber schon stinksauer und der Alkohol hatte mir genug Courage gegeben, um ihn endlich zu fragen, wieso er mich ignoriert. Er entschuldigte sich, gestand aber, dass er sich kaum an mich erinnern könne, was mich nur noch mehr kränkte, aber gleichzeitig auch noch zorniger machte. Ich sprach Facebook und unsere Textnachrichten an und er beharrte darauf, dass er Facebook niemals benutzt hatte. Angeblich hatte er mal Myspace benutzt, doch hatte aufgehört, als er zu Tumblr überging. Niemals hatte er auch nur daran gedacht, sich ein Facebookprofil anzulegen. Ich fragte ihn nach unseren Handynachrichten und er sagte bloß, dass ich ihn wohl mit einem anderen David verwechselt hätte, weil er meine Nummer nicht gehabt hätte. Alles abzustreiten hielt ich für eine faule Ausrede, doch Jerry stand hinter ihm, was mich noch mehr ankotzte.
Aber nicht nur mir, sondern auch vielen anderen von uns hatte David auf Facebook geschrieben. Als wir ihn immer wieder wegen seines Unfugs zur Rede stellten, forderte er uns dann einfach auf, diesem „David“-Typen zu schreiben, um zu beweisen, dass er es nicht war. Er legte sein Handy auf den Tisch und ich simste ihm. Aber auf seinem Handy wurde keine neue Nachricht angezeigt. Als wir uns dann darüber stritten, ob wir noch ein wenig abwarten müssten, antwortete der David, mit dem ich seit Jahren redete, was bewies, dass wir die ganze Zeit lang mit einem Schwindler schrieben.
Die Situation wurde dann sehr unangenehm. Wir alle waren wütend und fühlten uns hintergangen und David fühlte sich offensichtlich zutiefst beschmutzt. Weil wir alle Antworten wollten, fuhren wir den Laptop unseres Freundes hoch und suchten Davids Facebookprofil.
Dass der Unbekannte den Mädchennamen seiner Mutter als Nachnamen verwendete statt seinem richtigen, war das Erste, was David auffiel. Und obwohl die meisten in der Freundesliste Leute waren, die er aus dem echten Leben kannte, hatte er zu keinem von ihnen noch Kontakt. Auch sein angezeigtes Bild war ein Hund, den David vor Jahren gehabt hatte, der allerdings gestorben war. (Genau das erzählte mir auch der Fake-David.) Wie ich im Nachhinein vermute, hatte die verantwortliche Person diese Maßnahmen vermutlich ergriffen, um zu verhindern, dass Davids enge Freunde auf das Facebookprofil stoßen.
Die älteren Bilder auf der Facebookseite waren von Davids Myspace, als er es noch benutzt hatte. Die meisten seiner neueren waren aber von seinem Tumblr, wo er offenbar ziemlich viel hochlud.
Am Seltsamsten war aber, dass dort auch einige Bilder waren, die David nie gesehen hatte, darauf schwor er. All jene waren Bilder von seinen Fußballspielen, die aus dem Publikum aufgenommen wurden. Der Fake-David hatte behauptet, dass sein Bruder sie gemacht hätte. (Der echte David sagte, weder sei sein Bruder jemals zum Spiel gekommen, noch irgendeiner seiner Verwandten oder seiner Freunde.)
Bei der weiteren Untersuchung seines eigenen Fake-Profils stellte David fest, dass zwar viele Statusupdates keiner wahren Begebenheit entsprachen, dass aber einige genau korrekt waren und auf sein Leben zutrafen. Wer auch immer dieser Mensch war, er hatte David eine lange Zeit lang beobachtet, kannte seinen Tagesablauf, wusste, welche Filme er anschauen ging, wusste, welche Eiscremesorten er mochte, wusste, welche seine Lieblingsbands waren – er wusste praktisch alles über ihn.
Natürlich konfrontierten wir den Fake-David, er beantwortete
aber nie unsere Textnachrichten und löschte stattdessen das Profil, bevor wir
es noch genauer untersuchen konnten. Also erhielten wir niemals eine Antwort.
Ich weiß nicht, warum dieser Mensch so lange vorgab, David zu sein, oder warum
er es überhaupt tat. Ich weiß nur, dass ich mich extrem verletzt fühlte, weil
ich ihm so viele private Einzelheiten meines Lebens mitgeteilt hatte.
Eine große Portion Mitleid hatte ich natürlich auch mit dem echten David.
Sehr lange fragte ich mich, wie diese Person auf David kam und wie sie so viel Persönliches über sein Leben herausfinden konnte.
Vor einigen Monaten rief mich dann meine Mutter an und sagte, sie habe ein Profil mit ihrem Namen gefunden, allerdings seien dort Bilder von mir. (Mein Zwischenname ist der Vorname meiner Mutter, was nur sehr wenige Leute wissen.) Sie dachte, ich hätte ein zweites Profil angelegt. Um ihr keine Angst einzujagen, verschwieg ich ihr die Wahrheit, aber eigentlich wusste ich nicht einmal, dass es dieses Profil überhaupt gab.
Mein eigenes Facebookprofil war schon immer auf „privat“
gestellt und ich nehme keine willkürlichen Freundschaftsanfragen mehr an, auch
lade ich woanders keine Bilder von mir hoch. Deshalb gab es auf diesem
Fake-Profil nur wirklich alte Bilder von mir und auch keine merkwürdigen wie
die von Davids Fußspielen. Aktiv war es aber immer noch und das schon seit
einer Weile. Keine der Freunde waren Leute, die ich kenne, und keine der
Updates betrafen Dinge, die ich in meinem echten Leben machte. Ob dieses Profil
derselben Person gehörte, die David gestalkt hatte, wusste ich nicht. Ich sehe
aber ganz durchschnittlich aus, somit wüsste ich nicht, wieso jemand meine
Bilder benutzen wollen würde, wenn es hübschere
Mädchen im Internet gibt.
Ich vermute daher, dass er es sein musste.
Keine Ahnung. Gerade eben meldete ich einfach das Profil und
jetzt existiert es nicht mehr. Aber ich frage mich, ob dieser Mensch immer noch
vorgibt, ich zu sein, oder ob er sein Spiel jetzt mit jemand anderem treibt.
Originaltitel: I Thought He Was My Friend
Autor: pocky-town
Link zum Original: https://www.reddit.com/r/LetsNotMeet/comments/3587w9/i_thought_he_was_my_friend/
Übersetzer: Creepostad M
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