Kosciusko, Texas

Es gibt einige Orte in Texas, die einen Besuch wert sind: San Antonio. Austin. Poteet. Dallas. La Vernia. Nur um ein paar zu nennen, wenn ihr das wahre Texas auf eine atemberaubende Weise erleben möchtet.

Und dann wäre da noch Kosciusko – eine Ortschaft, die ich in einem normalen Gespräch niemals erwähnen würde. Es ist ein Ort, den ihr nicht aufsuchen solltet. Es ist ein Ort, von dem ihr weit wegfahren solltet, wenn die Nacht anbricht. Es ist ein Ort, an dem euer Auto steckenbleibt und ihr den Schweiß euren Nacken herablaufen spürt, während ihr voller Furcht und mit zitternder Hand versucht, den Schlüssel zu drehen.

Geht niemals nach Kosciusko. Niemals.


Öffnet Google Maps und versucht die Stadt zu finden – kleiner Hinweis: ihr werdet nicht fündig. Ihr gelangt umgehend zu einer Markierung mit den Worten „Kosciusko Meat Market“ (Kosciusko Fleischmarkt), doch es wird kein Anzeichen geben, dass es irgendwo eine Stadt gibt. Es gibt keine Straße namens Kosciusko Street oder Avenue. Bloß „Kosciusko Meat Market“.

Kosciusko ist in Wahrheit mehr oder weniger ein verlassenes Dorf. Nur etwa zehn Menschen wohnen dort und zwischen ihnen gibt es nur Landschaft. Es gibt, wie gesagt, einen Fleischmarkt und einen alten Tanzsaal, in den Leute damals in den 70ern gingen. Früher gab es dort auch eine Schule, aber die wurde mit Poth ISD zusammengeführt.

Selbst die Geschichte von Kosciusko ist nichts Besonderes: Kosciusko war ein bescheidenes polnisches Städtchen, das als ländlicher Handelsstützpunkt für Siedler errichtet wurde, die auf dem Weg nach San Antonio waren. Keine Schlachten wurden dort ausgetragen und keine historische Bedeutung ist festzustellen.


Genaugenommen gibt es aber eine.

Die Geschichte des Blutgerichts in Texas ist eine erfundene Geschichte, die auf Ed Gein beruht, der Frauen ermordete und deren Haut zusammennähte. Urbane Legenden halten sich hartnäckig an den Glauben fest, dass sich die Ereignisse des Films in Poth in Texas ereignet hätten.

Dies entspricht nicht der Wahrheit. In Wirklichkeit nämlich kommt die Legende aus Kosciusko, doch sie wurde Poth angehängt, weil sich der Stadtname Kosciusko kompliziert anhörte. Als der Film herauskam, tuschelten die Einheimischen untereinander, dass Kosciuskos geheimnisvolle und dunkle Vergangenheit von Hollywood aufgegriffen und in einen Slasher-Film verwandelt worden sei, vervollständigt mit einer Kannibalenfamilie und auf dem Boden verteilten, blutigen Leichen.

Es soll ein Zufall sein. Der Film hat angeblich nichts mir der Stadt zu tun. Habt ihr aber schonmal etwas gesehen, was so beängstigend unwahrscheinlich und ähnlich war, dass ihr einfach eine Verbindung sehen musstet? Sogar das einsame, isolierte Gefühl in der Landschaft erinnert an das raue Pflaster der Geisterstadt.


Kosciusko war das Zuhause eines gewalttätigen, inzüchtigen Kannibalenklans. Sie wohnten auf dem Land und entführten und vergewaltigten ihre Opfer, bevor sie sie bei lebendigem Leibe verspeisten. Zumindest, wenn die Opfer bis dahin nicht den Lebenswillen verloren hatten. Niemand weiß genau, woher sie kamen, doch Gerüchten zufolge wurden sie einfach „zurückgelassen“, als Leute begannen, wegzuziehen. Man ist sich einig, dass sie von polnischer Abstammung und ansonsten unintelligente Menschen sind. Das ist jedoch alles, was man über sie weiß.

Kurz vor der Veröffentlichung von Blutgericht in Texas fuhr ein junger, nackter und blutüberströmter Mann ein Auto gegen einen Straßenpfosten in Poth. Er stieg aus und schrie wild in die Finsternis der Nacht hinein. Die Polizei und die Sanitäter kamen und brachten ihn in ein Krankenhaus in Floresville.

Nachdem sie ihn ausreichend sediert hatten, um ihn zu säubern, fanden die Pfleger und Ärzte Unstimmigkeiten. Er war verwundet und blutbeschmiert und das Fleisch war von seinen Schenkeln und Pobacken entfernt worden, als wäre der Mann mit einem Messer gehäutet worden. Er hatte keine Zunge mehr und konnte nicht sprechen. Seine Hände baumelten ihm von den Handgelenken, als wären sie so fest angebunden worden, dass sie regelrecht abgetrennt wurden. Seine Fußgelenke waren zertrümmert und es sah aus, als hätte er es durch pure Willenskraft und Glück nach Poth geschafft, und das sogar in einem Auto.

Die Polizisten fragten ihn, was geschehen war und gaben ihm Stift und Papier. Kosciusko war das Einzige, was er niederschrieb. Einen Tag später erlag er seinen Verletzungen und Entzündungen.


Seine Leiche wurde von einem interessierten Gerichtsmediziner in San Antonio untersucht. Dieser gab kurzerhand bekannt, dass dies seine letzte Autopsie sein werde, denn dies sei die schlimmste, die er je gesehen habe. Er Unterschrieb alle Papiere und nicht lange darauf kündigte er und zog aus Texas weg.

Laut dem Bericht des Gerichtsmediziners wurde der junge Mann eine Woche lang gefangen gehalten, gefesselt mit etwas wie Seilen oder Ketten. An vielen Stellen seines Körpers war die Durchblutung abgeschnitten, was die Amputation seiner Finger und Zehen erfordert hätte. Zudem gab es mehrere Entzündungen, die in seinem Körper wüteten und wenn nicht ein Wunder geschehen wäre, hätten diese letztendlich zu seinem Tod geführt. Er wurde außerdem positiv auf Tetanus getestet und rostige Metallfragmente wurden in seiner Blutbahn gefunden. Er war dehydriert, ausgehungert und er wurde wiederholt ins Rektum und in den Mund vergewaltigt. Es wurde festgestellt, dass unten an seinem Rückgrat ein Loch war, welches mit Samenflüssigkeit gefüllt war. Schockierenderweise hatte dies nicht zu einer Lähmung geführt und der Mediziner kann sich das immer noch nicht erklären.

Die Zunge des Mannes fehlte und der Mediziner nahm an, dass sie mit demselben rostigen Messer abgetrennt worden war, da man Metallfragmente im Mund fand, wie auch in den Blutgefäßen, in den Schenkeln und in den Pobacken, die gehäutet worden waren. Außerdem wurde der Mann positiv auf verschiedene Vireninfektionen getestet, was zu einer Quarantäne des Krankenhauses führte. In seinem Magen wurden Blut, Spuren von Samenflüssigkeit und verdorbenes Fleisch gefunden, außerdem auch eine Armbanduhr.

Niemand hat einen blassen Schimmer, wie der arme Mann seinen Peinigern entkommen konnte. Der Mediziner vermutete, dass sich der Mann möglicherweise selbst befreite, indem er sich die Handgelenke ausrenkte und so aus seinen Fesseln schlüpfte. Durch pure Willenskraft konnte er entkommen und überleben. Das Fahrzeug könnte auf dem Highway oder von seinen Entführern gestohlen sein. Eine andere Erklärung bietet ein formloser Bericht der Polizei; nämlich, dass der Mann in einen Fluss in der Nähe geworfen werden sollte, jedoch überwältigte er seine Entführer im Auto und steuerte den Wagen rasant in die Stadt.


Das Wort Kosciusko war das eigentliche Mysterium. Es war nicht schwer darauf zu kommen, dass er die texanische Stadt meinte. Deshalb fing die Polizei an, dort zu suchen, angefangen mit dem Fleischmarkt. Dort fanden sie aber nur ein altes Ehepaar, das den Laden ganz normal führte und Schweineschwarten in Plastiktüten verkaufte. Während der Untersuchungen kaufte sich ein Beamter dort eine Tüte Schwarten zu essen. Mehr erreichte man nicht durch die Nachforschungen. Nichts wurde gefunden und keine Fortschritte wurden gemacht. Niemand in der Kleinstadt hatte den entführten Mann gesehen oder etwas von ihm gehört und niemand meldete ein Fahrzeug als gestohlen.

Die Ermittler kehrten im Laufe der Monate mehrmals zurück und versuchten, mehr Informationen zu erhalten. Allerdings waren sie im Großen und Ganzen erfolglos und betrachteten den Fall als ungeklärt.

Als sie das letzte Mal dort waren, gingen sie wieder zum Fleischmarkt. Ein junges Mädchen, um die sechs oder sieben Jahre alt, saß hinter der Theke und aß eine Art polnische Süßigkeit.

Einer der Ermittler entschied, sie anzusprechen. Zuerst kaufte er eine Tüte Schweineschwarten, wodurch er versuchte, mit ihr ins Gespräch zu kommen und sie antwortete ihm voller Begeisterung. Sie wirkte ganz freundlich wie jede andere Sechsjährige.

Dann bot er ihr eine seiner Schweineschwarten an, um ihre Gunst zu gewinnen. Sie lehnte sie ab.

Sie sagte: „Mami hat gesagt, ich soll nur die essen, die aus Schweinchen gemacht sind.“ Der Polizist lachte ein bisschen und sagte ihr, dass die Schwarten aus Schwein gemacht seien, deshalb hießen sie ja auch „Schweineschwarten“. Sie schüttelte den Kopf.

„Nein. Sind sie nicht. Hab‘ gesehen, wie Opa sie gemacht hat. Er kriegt jeden Monat eine Lieferung Schwarten und während sie schreien und brüllen, zieht er die Schwarten ab und wirft sie in die Fritteuse.“

Die Polizisten wurden gleich unruhig und gingen. Sie vereinbarten, die Schweineschwarten dem Labor zu überlassen. Sie fahndeten dann nach dem alten Pärchen, doch immer, wenn sie zum Fleischmarkt gingen, war er geschlossen. Und immer, wenn sie nach dem Pärchen fragten, konnten sich die Anwohner der Stadt nicht an sie erinnern.

Nachdem sich die Ermittler durch Geschichtsbücher und Geburtsurkunden gewühlt hatten, um die Identität des alten Pärchens aufzudecken, entdeckten sie etwas Schreckliches: alle in Kosciusko sind miteinander verwandt. Es gibt keine Abweichung in den Familienstammbäumen. Jegliche Siedler, die dort einwanderten, verschwanden auf mysteriöse Art und Weise.


Die Untersuchungsergebnisse kamen zurück. Dies geschah zu einer Zeit, in der es keine Forensik gab und DNA-Tests noch eine Science-Fiction-Fantasie waren. Die Laboranten stellten fest, dass die Schwarten „unauffindbaren Ursprungs“ waren. Allerdings waren sie definitiv kein Erzeugnis aus dem Fleisch eines Schweins oder eines Wildschweins.

Dies führte zur Durchsuchung und Belagerung der Stadt. Die Stadt Poth entsandte die Polizei und bat mehrere Städte um Hilfe, um all die Leute in Kosciusko festzunehmen. Die Anwohner wurden verhaftet und die Kinder wurden nach Poth versetzt, sodass sie nicht wieder in die Obhut ihrer Familien gelangen konnten. Gewalt und Konflikte brachen aus. Häuser wurden während der hitzigen Polizeidurchsuchungen zerstört und verwüstet.

In einem Haus wurden auffällig blutige Werkzeuge gefunden. In einem anderen Knochensplitter. In einem anderen wurden im weichen Boden vergrabene Zähne gefunden.

Niemand sprach. Und niemand wollte irgendetwas preisgeben.

Damals gab es noch keine DNA-Analysen, daher konnte die Polizei die Herkunft des Bluts nicht nachweisen. Die Hausbewohner behaupteten, sie hätten ihr eigenes Vieh geschlachtet. Die Zähne kämen vom Vieh und sie hätten die Zähne wegen der Zahnfee vergraben. Die Knochensplitter kämen vom Schlachten der Schweine mit dem Hammer.

Es wurde nur immer schlimmer und die Polizei wusste nicht, was sie tun sollte. Deshalb schloss sie die Stadt Kosciusko und versetzte die Kinder in die Poth ISD Schulen. Als man die Stadtbewohner von Kosciusko nicht mehr in Gewahrsam halten konnte, zogen sie aus ihren Häusern aus und ließen sich tiefer in der Landschaft nieder, sodass man sie nicht finden konnte.


Dann kam der Film raus. Blutgericht in Texas. Und alle waren fest davon überzeugt, dass jemand aus Kosciusko die Geschichte verkauft hatte.

Natürlich war das nur ein Zufall. Der Film habe nichts mit dem Fall von Kosciusko zu tun, der niemals gelöst wurde. Zu der Zeit wussten jedoch alle Bescheid und hielten sich von der Stadt fern. Die Kinder, die in die Poth ISD Schulen versetzt wurden, wurden dort so arg gemobbt, dass schließlich auch sie in die Abgeschiedenheit des Landes zogen.

Jetzt aber versucht Kosciusko, wieder seine Pforten zu öffnen. Der Tanzsaal ist wieder geöffnet und der Fleischmarkt hat eine neue Leitung. Kosciusko versucht, sich als „historische“ Stadt zu verkaufen und das Geschäft in der Geisterstadt wieder anzukurbeln.

Leute sind wegen der Tanzveranstaltungen hingegangen und sie schwören darauf, dass der Ort einen vertrauten, cowboyhaften Charme habe. Und nichts gehe über die Schweineschwarten.

Und ich habe gehört, das nette, alte Ehepaar, das den Fleischmarkt betreibt, seien herzensgute Menschen.


Originaltitel: Kosciusko, Texas

Autor unbekannt

Link zum Original: https://creepypasta.fandom.com/wiki/Kosciusko,_Texas

Übersetzer: Creepostad M

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