1dollar.wav

1dollar.wav

Lass dich nicht von ihr erwischen!

Beitrag 1

Der folgende Blogeintrag stammt von John Goodman und wurde am 17. August 2011 eingereicht. Anbei war ein Download-Link zu 1dollar.wav. Die besagte Audiodatei wurde in das OGG-Format konvertiert, sodass sie in das Wiki hochgeladen werden kann. Goodman erwähnte, dass er das Mysterium der Datei umfangreich untersuchen werde. Sollte er davon berichten, wird es hier zu finden sein.


Nachdem mein Computer während eines Gewittersturms zu einem Häufchen Asche verbrannte, blieb mir nur mein alter PC übrig. Zum Glück hatte ich von allen Sachen auf meinem zerstörten PC ein Backup auf USB-Laufwerken und CD-ROMs. Auf meinem alten lief Windows 98 und er benötigte unbedingt ein Betriebssystem-Upgrade. Es war an der Zeit, online nach einer neuen Installations-CD zu einem günstigen Preis zu suchen. Ihr fragt euch vielleicht: „Warum nicht gleich einen neuen Computer anschaffen?“ Das hätte ich getan, doch wegen der schlechten Wirtschaftslage hatte ich nicht genug Geld dazu. Also blieb nur eine Wahl; meinem Alten ein Upgrade zu verpassen. Wie dem auch sei, ich stöberte auf eBay, um zu schauen, ob jemand eine Kopie von Windows XP zu einem erschwinglichen Preis anbot. Windows Vista oder Windows 7 würden auf keinen Fall auf meinem Computer laufen, deshalb musste ich mich mit XP zufriedengeben.

Und siehe da, jemand verkaufte eine saubere Installations-CD mit einer Vollversion von Windows XP für 1,45 $. Niemand sonst gab dafür ein Gebot ab, also machte ich selbst eins. Selbst nachdem ich das tat, machte sonst niemand ein weiteres Gebot. Ohne einen einzigen Konkurrenten ersteigerte ich die CD, selbstverständlich. Ich erhielt sie ein paar Tage später in einem weißen Papierumschlag. Ich öffnete den Umschlag und holte die CD raus und sie sah wie eine ganz normale, bootfähige Windows XP CD-ROM aus. Ich schaltete den PC an, legte die CD ein und installierte Windows XP wie es sich gehört. Beim Warten machte ich mir Popcorn, ging scheißen, schaute etwas Fernsehen und überprüfte gelegentlich den Installationsfortschritt, beantwortete Dialogboxen, gab den Registrationscode ein usw. Endlich war die Installation abgeschlossen und ich konnte den Rechner verwenden.

Als erstes übertrug ich meine Backups von meinem zerstörten Computer auf den alten. CD für CD, USB-Stick für USB-Stick, und endlich hatte ich alles auf dem Rechner drauf, so wie ich es wollte. Ich wollte ein bisschen ziellos herumbrowsen, bevor ich den Computer ausschalten und ins Bett gehen würde. Mein willkürliches Herumstöbern führte mich zum Ordner „C:\WINDOWS\Media“. Dort fiel mir eine Datei namens „1dollar.wav“ auf. Ich hatte sie mir nicht auf den PC geholt, also ging ich davon aus, dass sie zusammen mit all den anderen Dateien in den Ordner installiert wurde. Allerdings erinnerte ich mich nicht daran, dass jemals eine solche Datei in XP enthalten war. Sie war nicht auf meinem ruinierten PC gewesen, der XP gehabt hatte, bevor ich das Upgrade auf Windows 7 machte. Neugierig machte ich einen Doppelklick auf die Datei, um sie zu öffnen. (Hier klicken, um Audiodatei anzuhören)


Es war eine sehr merkwürdige Audiodatei. Alles, was ich hörte, als ich sie öffnete, war ein komisches, statisches Rauschen, fast als wäre es ein extrem verzerrtes Lied. Bei der Datei handelte es sich um glatt vier Minuten dieses seltsamen Klangs. Es jagte mir etwas Angst ein. Ich meine, es war Nacht, nur mein schlafender Hund leistete mir Gesellschaft und dann finde ich was auf meinem Computer, was ich dort niemals speicherte, was nicht ein Teil der normalen XP-Installation ist, und es ist ein vierminütiges, komisches Rauschen. Und außerdem ist die Datei in einem Systemordner. In der Annahme, dass es eine Art Virus hätte sein können, scannte ich die Datei. Voila, ein Trojaner wurde gefunden! Ich hatte keine Ahnung, woher ich ihn mir hätte einfangen können. Ich war seit der vollständigen Installation von Windows XP kaum im Internet. Plötzlich fiel mir ein, dass ich den Namen solch einer Datei für den Bruchteil einer Sekunde auf dem Bildschirm lesen konnte, als das Betriebssystem draufgespielt wurde. Ich konnte nur zu einem Schluss kommen: An dieser CD-Rom wurde herumgepfuscht. Ich beschloss, den Trojaner zu entfernen, die Datei 1dollar.wav zu entfernen und einen vollständigen Systemscan mit beiden meiner Antivirenprogramme durchzuführen (MalwareBytes‘ Anti Malware und Microsoft Security Essentials). Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis der Scan abgeschlossen war, also ging ich zu Bett. Ich war immer noch ein bisschen sauer, dass ich so viel Zeit damit verbrachte, meinen Computer so einzurichten und so zu aktualisieren, wie ich es wollte, nur um herauszufinden, dass an der Installations-CD-ROM herumgepfuscht worden war.

Ich wachte am nächsten Morgen auf, aß zu Frühstück, nahm eine Dusche, putzte mir die Zähne und ging dann in mein Computerzimmer. Ich setzte mich hin und schaltete den Monitor ein, welchen ich gestern Nacht vorm Schlafengehen ausgeschaltet hatte. Ich konnte meinen Augen nicht trauen.

Mein Desktop-Hintergrundbild änderte sich in das Bild einer Dollarnote. Es gab zwei Fehlermeldungen, in denen stand, dass meine Antivirenprogramme abgestürzt waren. Außerdem gab es weitere leere Error-Dialogboxen mit dem Namen „1dollar.wav“ und einer einzigen OK-Schaltfläche. Jedes Desktopsymbol war mit einer Verknüpfung zu 1dollar.wav ausgetauscht, sogar der Papierkorb. Auf meiner „Start“-Schaltfläche stand jetzt „1dollar.wav“ und das gewohnte Flaggensymbol war dort nun durch ein Dollarzeichen ersetzt. Als ich die „Start“-Schaltfläche anklickte (oder in diesem Fall die „1dollar.wav“-Schaltfläche), um das „1dollar.wav“-Menü aufzurufen, war dort ebenfalls jedes Symbol mit „1dollar.wav“ ausgetauscht. Der Name des Administrators war in „1dollar.wav“ umbenannt und das Kontobild war das Bild von einem Dollarschein. Bei beiden Fehlermeldungen, die besagten, dass MalwareBytes und Microsoft Security Essentials abgestürzt waren, klickte ich auf "Problembericht nicht senden". Ich klickte dann auf „OK“ in sämtlichen „1dollar.wav“-Fehlermeldungen. Ok, jetzt war der Bildschirm von allen Fenstern befreit. Ich versuchte, meine Antivirenprogramme erneut zu öffnen, doch beide gaben mir eine leere Fehlermeldung mit dem Titel „1dollar.wav“. Ich klickte auf „OK“. Ich öffnete das „1dollar-wav“-Menü und wählte „Herunterfahren“, erhielt aber lediglich den berühmten „clunk“-Fehlerton. I versuchte es mit dem Power-Knopf. Nichts geschah. Letztendlich zog ich einfach den Stecker raus und der PC ging endlich aus.

Ich schloss ihn wieder an und fuhr ihn im abgesicherten Modus hoch und versuchte, die Antivirenprogramme zu öffnen. Als ich das jedoch tat, machte mein Rechner ein äußerst seltsames Geräusch und ging dann aus. Ich drückte den Power-Knopf, aber nichts geschah. Nicht mal ein Surren gab der PC von sich. Dieser verflixte Virus hatte doch glatt meinen einzigen PC geschrottet und ich fing mir den Übeltäter nicht mal auf einer Webseite ein – er war beim Betriebssystem dabei.

Also, das war’s dann auch. Ich musste noch ein paar Sachen im Supermarkt besorgen, also verließ ich mit meinem Hund das Haus.

Ich habe noch nicht genug Geld verdient, um mir einen neuen Computer kaufen zu können. Bis dahin erledige ich alle Computerangelegenheiten am Laptop meines Freundes. Er leiht mir den Laptop großzügigerweise aus, wenn ich meine E-Mails überprüfen muss oder auf mein Online-Bankkonto zugreifen muss oder ähnliches. Ich habe denselben Laptop verwendet, um diese Geschichte abzutippen und im Internet zu veröffentlichen, zusammen mit der Datei 1dollar.wav. Den bösartigen Code in der Datei habe ich selbst manuell entfernt.

Nachdem ich eine gewisse kryptische Botschaft las, in der von einem „letzten Beweis“ die Rede war, der zerstört werden müsse, wenn ich ihn mit jemanden teilen würde (darüber werdet ihr bald mehr lesen), habe ich mir vorgenommen, nachzuforschen. Ich will so viel wie möglich über die mysteriöse Audiodatei „1dollar.wav“ herausfinden, bis ich endlich hinter das dunkle Geheimnis komme, das sie umgibt.

Ihr fragt euch, wie ich 1dollar.wav zurückbekommen habe, nachdem mein Computer kaputtgegangen ist?

Also, als wir nach Hause kamen, stellte mein Hund die Ohren auf und er fing an, bedrohlich zu knurren. Er folgte einer Fährte ins Computerzimmer. Alles schien normal zu sein, doch dann schaute ich dahin, wo mein (zweiter) kaputter Computer sein sollte, und er war weg. Alles andere war noch da, nur der Computer nicht. Ich dachte an Einbruch, aber wer könnte einen alten PC haben wollen, der nicht einmal hochfährt? Ich bemerkte außerdem, dass die auf Ebay erworbene, manipulierte CD-ROM auch fehlte. An ihrer Stelle lag nun eine andere CD. Es war eine weiße CR-ROM und etwas stand mit grünem Filzstift auf sie geschrieben. Ich hob die CD auf und las: Dies ist der allerletzte Beweis, von dem ich weiß. Halte ihn geheim, sonst muss ich ihn auch zerstören. Ich blickte auf den Tisch herab, wo die CD gelegen hatte und dort lag ein einzelner Dollarschein. Er war nicht knittrig oder in irgendeiner Wiese beschädigt, anders als die meisten Dollarscheine. Er war in absolut makellosem Zustand, als wäre er frisch gedruckt gewesen. Ich nahm die CD und den Dollarschein mit zum Haus meines Freundes, auf dessen Laptop ich das hier schreibe. Ich erklärte ihm, dass beide meiner Computer zerstört wurden und er erklärte sich bereit, mir den Laptop auszuleihen, wann immer ich ihn brauche. Also setzte ich mich an den Laptop und legte die CD ein. Auf ihr befand sich nur eine einzige Datei: 1dollar.wav.

 

Beitrag 2

Am 26. August 2011 veröffentlichte John Goodman einen weiteren Blogeintrag über seine laufenden Nachforschungen zu 1dollar.wav.

 

Hallo zusammen, ich bin’s wieder. Ihr erinnert euch doch noch an den Scheiß von 1dollar.wav den ich letzte Woche verzapfte, stimmt’s? Naja, wie schon gesagt, ich forschte nach. Eine einfache Suche nach 1dollar.wav über Google brachte keine Ergebnisse. Ich fragte in einem Forum nach, doch es schien, als hätte niemand jemals etwas davon gehört, bis ich eine Antwort von jemandem erhielt, der sagte, dass er die Datei kennt und sich mit ihr herumschlug. Er schrieb Folgendes:

Ach, erinner“ mich nicht daran. 1dollar.wav… es ist erstaunlich, wie viel Ärger ein vierminütiger Soundclip eines stark verzerrten Musikstücks verursachen kann. Es geschah vor Jahren. Irgendeine Person auf Craigslist verkaufte einen PC mit Windows XP vorinstalliert. Damals war Vista noch in der Betaphase und 7 gab es noch gar nicht. Ich fuhr zum Haus der Verkäuferin in Cleveland um den Computer abzuholen. Ich brachte ihn nach Hause und schaltete ihn ein. Ich bemerkte eine Audiodatei namens 1dollar.wav im Ordner: C:\WINDOWS\Media. Neugierig öffnete ich sie und hörte sie mir an. Sie war nichts Besonderes. Vielleicht ein bisschen unheimlich, doch das juckte mich nicht. Ich schloss die Datei und ging auf die Toilette. Als ich zu meinem PC zurückkehrte, war ich erschrocken. Alles wurde mit Dollars vertauscht oder irgend so einem Scheiß und da war eine Ansammlung von Fehlermeldungen mit dem Titel „1dollar.wav“. Ich dachte sofort an einen Virus und versuchte den Schaden mit meinem Antivirus zu beheben, doch es ließ nicht öffnen. Ich versuchte, den PC auszuschalten, doch egal was ich tat, er ließ sich nicht ausschalten. Den Stecker zu ziehen, war das Einzige, was half. Ich versuchte, den PC im abgesicherten Modus zu booten und meinen Antivirus zu verwenden. Beim Versuch jedoch, den Antivirus zu öffnen, gab mein PC dieses komische Geräusch von sich, ging aus und ließ sich nicht wieder einschalten. Damit meine ich nicht, dass sich das Betriebssystem nicht mehr booten ließ – damit meine ich, dass sich der PC buchstäblich nicht mehr einschalten ließ, als ob er nicht angeschlossen wäre. Am nächsten Tag war mein Computer verschwunden und an seiner Stelle lag ein einziger Dollarschein. Ich weiß, es klingt verrückt, und du glaubst mir wahrscheinlich nicht, es sei denn, du hast selbst eine ähnliche Erfahrung mit der Datei gemacht.

Cleveland! Ich weiß von eBay, dass meine Bestellung aus Cleveland, Ohio, kommt! Ich hatte nun eine neue Aufgabe: die Person aufzuspüren, die mir die Installations-CD verkauft hatte.

Ich antwortete dem Forenmitglied, dass ich in der Tat eine sehr ähnliche Erfahrung gemacht hatte, und ich verlangte die Adresse der Frau, die ihm den PC verkauft hatte. Ich wollte ein Wörtchen mit ihr reden. Ich hörte mich wahrscheinlich wie ein Stalker an, aber draufgeschissen. Ich musste schlauer werden. Zu meiner Überraschung schickte er mir tatsächlich ihre Adresse in einer privaten Nachricht. Ich wohne selbst in Ohio und Cleveland ist nicht so weit entfernt. Und so stiegen mein Hund und ich ins Auto und wir fuhren los.

Wir kamen an einem kleinen, gelben Haus an, das nur das Heim der Frau sein konnte, die mir die Installations-CD verkauft hatte. Wir gingen zur Haustür und klingelten.

Eine Frau öffnete fast unverzüglich die Tür. Sie schien eine ältere Frau zu sein, war klein und beleibt, und ihr weißes Haar war zu einem Knoten gebunden. Dann sah ich ihr in die Augen. Oh, diese Augen! Sie sickerten durch mich hindurch bis zu meiner Seele und betrachteten sie hungrig, um festzustellen, ob sie zum Verzehr geeignet wäre. Fast wäre ich zu meinem Wagen zurückgerannt, um umgehend wegzufahren, doch das konnte ich nicht. Ich hatte ein Rätsel zu lösen.

„Hallöchen, John Goodman!“, sagte die Dame in einem einschüchternden Ton, der meine Haare zu Berge stehen ließ. Mein erster Gedanke war: Oh je, sie kennt meinen Namen! Gott, bitte hilf mir! Mein Hund knurrte die Dame bedrohlich an.

Ich musste all meinen Mut sammeln, um endlich zu stammeln: „Hören Sie mal, ich habe keine Zeit für Spielchen! Was ist ‚ein Dollar Punkt Wave‘ und warum haben Sie es auf meine Windows XP-CD gespielt?“

„Oh, das kann ich dir nicht sagen“, gackerte die Frau. Ich war nun überzeugt, dass sie nichts Gutes im Schilde führte.

„Wieso nicht?“, entgegnete ich wütend.

„Weil halt“, sagte das böse Weib. „Aber eines kann ich dir sagen: Sei in den nächsten Tagen auf der Hut, denn ein Dollar wird dich heimsuchen, bis alles leer ist.“

Und bevor ich ein weiteres Wort sagen konnte, knallte mir die Frau die Tür vor der Nase zu und kicherte boshaft. Mir blieb nichts anderes übrig, als zurück zu meinem Auto zu gehen. Auf dem Weg kam ein Mann vorbei und fragte mich: „Was haben Sie da drüben gemacht?“

„Ich habe mit der Dame geredet, die in dem Haus dort drüben wohnt“, antwortete ich.

Der Mann machte ein besorgtes Gesicht. „In diesem Haus wohnt seit mehr als zehn Jahren niemand mehr.“

Ich schaute zu dem Haus, doch statt des hellgelben, fröhlichen Hauses, das ich bei meiner Ankunft gesehen hatte, stand dort ein bröckelndes, verlassenes Gebäude, über dessen Eingangstür ein Brett genagelt war. Auf dem Brett stand in grünen Buchstaben: „VERDAMMT“.

„Aber… aber ich habe doch gerade eben noch mit einer älteren Frau gesprochen, die hier wohnt“, wandte ich ein.

All die Farbe wich aus seinem Gesicht. „…Ältere Frau?“

„Ja,“ sagte ich. „Sie wissen schon, die mit ihrem Haarknoten und so weiter?“

„Der letzte Mensch, der hier wohnte... war eine ältere Frau… und sie hatte ihr Haar immer zu einem Knoten gebunden… aber sie ist tot.“

Also habe ich eigentlich nicht viel Neues über 1dollar.wav herausgefunden, aber anscheinend wurde die Datei von einem Geist erstellt. Interessant… aber das ist nicht zum Lachen. Das wurde mir klar, als ich dieses verdammte Weib aus dem Augenwinkel sah. Sie warf mir diesen seelenfressenden Blick zu und grinste wie eine Gestörte. Als ich meinen Blick auf sie richtete, verschwand sie. Daraufhin rannte ich aus dem Zimmer raus und versteckte mich für den Rest der Nacht unter einer Decke. Als ich mich wieder ins Wohnzimmer traute, lag dort, wo die Frau gewesen war, ein Dollarschein auf dem Boden.

 

Beitrag 3

Am 29. August ergänzte Goodman den Blog erneut mit einem weiteren Bericht über seine Nachforschungen zur ominösen Datei 1dollar.wav.

 

Es ist jetzt offiziell: die alte Hexe verfolgt mich. Seit meinem letzten Beitrag sehe ich sie immer wieder aus dem Augenwinkel, immer mit diesem seelenfressenden Blick und diesem wahnsinnigen Grinsen. Sie verschwindet jedes Mal, sobald ich den Blick auf sie richte.

Und es geschieht ausgerechnet immer nur nachts. Jedes Mal haue ich schleunigst ab und verstecke mich unter der Decke für den Rest der Nacht. Sobald ich mich wieder ins Zimmer traue, liegt dort, wo die Frau war, ein Dollarschein. Ich sammle sogar alle Dollarscheine auf, die sie mir hinterlässt, angefangen mit dem Dollar, der bei der CD mit dem „letzten Beweis“ dabei war. Ich hebe die Dollarscheine in einer Brieftasche auf. Wegen diesem Scheiß schlief ich schon seit drei Tagen nicht mehr. Im letzten Vorfall hielt die Frau sogar ein blutiges Messer in der Hand. Eine weitere Einladung brauchte ich nicht: Ich packte ein paar Sachen zusammen und mein Hund und ich sprangen dann ins Auto und wir fuhren zum Haus meines Freundes. (Ganz nebenbei: ich habe euch noch nicht gesagt, wie mein Hund heißt, oder? Sie heißt Coco. Wie die Schokolade Coco. Wie auch immer, wie gesagt…) Ich erzählte meinem Freund alles, was passiert war. (Ich hielt es bis dahin geheim, weil ich dachte, dass er mich für irre halten würde, doch zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine andere Wahl.) Ich erzählte ihm von 1dollar.wav, von der alten Hexe, die mich anscheinend aus irgendeinem Grund umbringen will, und so weiter. Ich hatte erwartet, dass er mich für verrückt erklären und eine Psychiatrie anrufen würde, doch wundersamerweise glaubte er mir. Vermutlich ist ihm klar, dass ich mir so einen Stuss nicht ausdenken würde. Jedenfalls werde ich bei ihm wohnen, bis sich die Situation beruhigt.

 

Beitrag 4

Veröffentlicht am 30. August 2011

 

Heute Abend schaute mein Kumpel aus dem Fenster und alle Farbe wich aus seinem Gesicht und Coco knurrte sie bedrohlich an. Ich sah aus dem Fenster und ich sah sie: diese blöde, alte Hexe. Sie starrte von draußen ins Zimmer mit ihren seelenverschlingenden Augen und demselben irren Grinsen. Dann verschwand sie. Wir brauchten keine zweite Einladung: Wir zogen die Jalousien herunter und nagelten Bretter an jedes Fenster im Haus sowie an die Vorder- und Hintertür. Ich glaube nicht, dass wir in absehbarer Zeit nach draußen gehen werden…

 

Beitrag 5

Veröffentlicht am 31. August 2011

 

Ich setzte mich an den Laptop meines Freundes und besuchte meinen Forenbeitrag, in dem ich mich nach 1dollar.wav erkundigt hatte. Jemand unter dem Benutzernamen „1dollar“ antwortete, und ratet mal, was das Profilbild war? Das Gesicht dieser verfluchten, alten Hexe, mit ihren Markenzeichen – dem seelenfressenden Blick und dem irren Grinsen. Ihre Antwort lautete lediglich: „Oh, noch mehr Beweise, die muss ich wohl zerstören.“ Ich klickte den Antwort-Button, um zu antworten, doch mir wurde gemeldet, dass dieser Beitrag nicht existiert. Als ich außerdem nach dem Benutzernamen 1dollar suchte, stellte sich heraus, dass es einen solchen Benutzer nie gab. Das Seltsamste von allem war, dass sie 1928 Mitglied geworden war. Das war vor 9 verdammten Jahrzehnten. Damals gab es noch nicht einmal das Internet.

 

Beitrag 6

Veröffentlicht am 1. September 2011

 

Als ich am PC meines Freundes war, öffnete sich plötzlich ein Dialogfenster, das mich zum Download der Datei „1dollar.exe“ aufforderte. Im Wissen darüber, dass es wieder nur ein weiterer Spuk der alten Hexe sein konnte, brach ich den Download ab. Aber wisst ihr was? Die Datei wurde trotzdem heruntergeladen. Ist das nicht erste Sahne? Sobald der Download abgeschlossen war, öffnete sich die Datei. Ich machte mich auf das Schlimmste gefasst. Ein weiterer Computer zerstörender Virus… den die alte Schnepfe in einer Datei versteckt hätte… Die Datei öffnete sich. Sie war… sie war… ein Spiel.

Ein Spiel. Von all den elenden Dingen, die 1dollar.exe hätte sein können, war sie nur ein PC-Game. Es blendete einen typischen Menübildschirm ein mit den Buttons „SPIELEN“, „VERLASSEN“ und „EINSTELLUNGEN“. Der Hintergrund war das Bild eines Dollarscheins. Ich wählte „EINSTELLUNGEN“ aus. Nur ein paar Grafikeinstellungen und so. Ich ging zurück und wählte „SPIELEN“ aus und machte mich erneut auf das Schlimmste gefasst. Ein Anleitungsbildschirm wurde angezeigt. Das Konzept war im Grunde genommen, dass man ein Bankräuber ist und in jedem Level Hindernisse überwinden muss, um zu einer Bank zu gelangen und diese auszurauben. In jeder Bank muss man gegen einen Endgegner kämpfen und wenn man diesen schlägt, kriegt man das Geld.

Also spielte ich das Spiel, während mir mein Kumpel und Coco gespannt zusahen. (Wieder off-topic: mein Kumpel heißt Bill)

Es war ein ganz typisches Jump’n’Run-Spiel und ich spielte es mit Links durch. Ich meisterte 3 Level, und das 4. war der letzte, bevor man zur ersten Bank gelangte. Ich erledigte dieses Level und kämpfte gegen den Endgegner. Er war eine Art Banker mit Superkräften oder so. Er war ein Welt-1-Endgegner, deshalb war er auch lächerlich leicht zu besiegen. Ich besiegte ihn, indem ich ihm mit einer Pistole in den Kopf schoss und dann bekam ich das Geld. Das Spiel zählte meinen Punktestand und so weiter, bevor es mich zum ersten Level von Welt 2 brachte.

Ich dachte mir, ich hätte genug gespielt, deshalb versuchte ich, das Fenster zu schließen, doch nach einem Klick auf das X wurde mir der Windows-Fehlersound abgespielt. Es wollte, dass ich weiterspiele, und nach dem ganzen komischen Scheiß, der mir in letzter Zeit passiert war, konnten die Gründe dafür nicht gut sein. Daher versuchte ich, den Anwendungsprozess mit dem Task-Manager zu beenden, doch das Anklicken der „Task beenden“-Schaltfläche führte nur zu einem Fehlersound. Ich versuchte, den Rechner herunterzufahren, doch die „Herunterfahren“-Schaltfläche führte zu demselben Ergebnis. Es erinnerte stark daran, als 1dollar.wav meinem alten Computer zerstört hatte. Weil der Laptop mit einem Akku betrieben wurde, musste ich den Akku herausnehmen, um den Laptop auszuschalten. Ich setzte ich den Akku wieder ein, startete neu, und alles war wieder beim Alten. Ich löschte 1dollar.exe. Sie kehrte nicht zurück wie 1dollar.wav. Sie blieb gelöscht.

 

Beitrag 7

Veröffentlicht am 4. September 2011

 

Weitere Sichtungen der alten Hexe aus dem Augenwinkel. In allen hielt sie ein blutiges Messer in der Hand. Unsere Türen und Fenster zu vernageln schien nichts zu bringen, sie kam immer noch ins Haus. Heute entriegelten wir die Eingangstür, um die Sonntagszeitung zu holen. Auch wenn wir uns vor einer sadistischen Geisterfrau verstecken, die uns umbringen will, müssen wir uns doch immer noch auf dem Laufenden halten, nicht wahr?

In der Zeitung stand, dass ein Banker mit einer Schusswunde in der Stirn tot in einer Bank aufgefunden worden war. Ein Bild des Mannes war zu sehen, und zu unserem Entsetzen sah er genauso aus wie der Welt-1-Boss in 1dollar.exe. Die Art und Weise, wie ich ihn besiegte, war sogar ein Kopfschuss.

Als ich die Zeitung las, sah ich wieder die alte Hexe aus dem Augenwinkel, und unterm Arm hielt sie eine Leiche, die genauso aussah wie der Bankangestellte. Diesmal konzentrierte ich mich nicht auf sie. Ich konzentrierte mich auf die Zeitung, um zu sehen, was passieren würde, wenn ich die Hexe nicht verschwinden ließe. Wenn sie versuchen sollte, mich zu töten oder so, würde ich sie einfach angucken. Sie stand einfach nur da, mit diesem verrückten Grinsen und dem seelenfressenden Blick. Nach einiger Zeit wich ihr Lächeln einer trübseligen Miene. Als wäre die Hexe enttäuscht, dass ich sie nicht zu bemerken schien. Ich warf Bill einen Blick zu, und überraschenderweise tat er es mir gleich. Sogar Coco tat so, als würde sie die alte Hexe nicht bemerken. Ich wandte mich wieder der Zeitung zu, damit ich die Hexe weiterhin aus dem Augenwinkel beobachten konnte. Es war nicht leicht, zu versuchen, etwas zu sehen aber gleichzeitig nicht hinzusehen. Ich wollte ständig hinschauen, doch ich wusste, dass sie verschwinden würde, wenn ich den Blick auf sie richten würde. Ich wollte wissen, was dann passieren würde.

Ihr enttäuschter Gesichtsausdruck verwandelte sich in einen bitterbösen Blick. Sie hob ihr Messer und stürzte sich auf mich. Gemeinsam wirbelten Bill, Coco und ich herum, um dem Gespenst zu trotzen. Sie blieb abrupt stehen, kurz bevor sie uns erreichte und verschwand.

Das warf eine weitere Frage auf: wenn sie uns unbedingt kaltmachen will, warum brachte sie es nicht einfach hinter sich, anstatt uns so zu quälen? Vielleicht will sie uns gar nicht umbringen. Vielleicht will sie uns nur glauben lassen, dass sie uns umbringen will, will uns paranoid machen, bis wir wahnsinnig werden, nur zu ihrem eigenen sadistischen Vergnügen und ihrer Belustigung. Das würde mich auf keinen Fall überraschen.

 

Beitrag 8

Veröffentlicht am 5. September 2011

 

Ich wachte heute Morgen aus dem bisschen Schlaf auf, das ich gerade noch bekommen hatte. Ich öffnete die Augen und erwartete, die Decke über mir zu sehen. Doch dann erschrak ich.

Über mir stand sie, die alte Hexe, und sah mir mit ihren seelenfressenden Augen von oben herab in meine Augen.

Eine Weile lang herrschte Schweigen. Ich sagte nichts, weil ich zu viel Angst hatte. Ich bewegte mich nicht, ich atmete nicht einmal. Mein Herz drohte zu platzen, so stark pochte es. Dann brach die Hexe endlich das Schweigen.

„Guten Morgen, John“, sagte sie bedrohlich.

Ich brauchte all meinen Mut, um zu antworten.

„Sag mir einfach, was du willst, und ich gebe es dir! Lass mich einfach in Ruhe!“, erwiderte ich.

„Es ist einfach so traurig, wenn man unter einem Fluch leben muss. Der Fluch, den ich selbst schuf. Gezwungen, den Fluch an andere weiterzugeben. Der Fluch des einen Dollars. Der Gier. Ich wollte das nie, aber nachdem es mir so aufgebürdet wurde, habe ich angefangen… es zu mögen. Ich weiß nicht, ob mir das den Verstand geraubt hat, oder was. Doch es tröstet mich zu wissen, dass andere den gleichen Schmerz empfinden wie ich.“

„Genug von deinem kryptischen Scheiß!“, schrie ich, und plötzlich sprang Coco wie aus dem Nichts und stieß die Hexe mit einem wütenden Knurren zu Boden. Die Hexe lächelte nur. „Nur zu. Tu es. Reiß mich in blutige Stücke. Das könnte die einzige Hoffnung sein, diesen grässlichen Fluch ein für alle Mal zu brechen. Dein Leid wird vergehen, sowie alle, die jemals der Schurkerei der Gier zum Opfer gefallen sind.“ Bevor ein weiteres Wort gesprochen werden konnte, fing Coco an, diese Frau in blutige Fetzen zu reißen. Ich wusste gar nicht, dass mein Hund so gewalttätig sein konnte, aber es juckte mich nicht. Solange es das Ende dieses Schreckens bedeutete, der auf uns lastete, war es das wert. Ich und Bill, (der wegen der Unruhe aufgewacht war), konnten nur tatenlos dabei zusehen, wie die Hexe in Stücke gerissen wurde. Sie schrie nicht einmal. Sie lächelte sogar, als wollte sie damit sagen: „Gott sei Dank ist es endlich vorbei.“ Und dann war es geschehen. Ihr Körper wurde so sehr zerfetzt und zerfleischt, dass man sie nicht wiedererkennen konnte. Überall war Blut verspritzt.

Dann fing ihr Körper an, oder zumindest was davon übrig geblieben war, zu schimmern und zu verblassen, und dann war er weg. Keine Spur von ihm blieb zurück. Als wäre nichts geschehen. Dann entdeckten wir einen Zettel auf dem Boden, wo die Hexe gelegen hatte. Bill hob ihn auf und las ihn laut vor:

„Zerstört die Dollars. Zerstört die CD. Tut es, bevor die Überreste des Fluchs, die in ihnen liegen, euch versklaven, so wie mich der Fluch versklavt hat.“

Ich wusste sofort, was zu tun war.

Ich holte die Brieftasche, in der ich all die Scheine aufbewahrte, die mir die Hexe hinterlassen hatte, und zündete ein Streichholz an. Ein markerschütternder Schmerzensschrei ertönte von der Brieftasche und mir fuhr der Schreck in die Knochen. Ich warf die Brieftasche nach draußen, und sie verbrannte, bis sie nichts weiter als Asche und Staub war. Dann nahm ich die CD, auf der 1dollar.wav war. Ich warf sie auf den Boden und stampfte auf ihr herum. Ein weiterer entsetzlicher Schrei ertönte und die CD ging spontan in Flammen auf. Also, das nenne ich „eine CD-ROM brennen“. Sie verbrannte, bis sie nichts weiter als ein Häufchen geschmolzenes Plastik war. Ich musste sie mit einer Schaufel vom Boden kratzen und nach draußen werfen.

Für den restlichen Tag geschah ansonsten nichts mehr. Die Hexe kam nie mehr zurück. Nix.

Ich glaube, der Albtraum könnte endgültig vorbei sein, doch ich möchte keine voreiligen Vermutungen anstellen. Ich werde ein Weilchen warten, um zu sehen, ob sich sonst noch etwas ereignet. Wenn das nicht der Fall ist, kann man wohl davon ausgehen, dass der Spuk mit 1dollar.wav vorbei ist.

 

Beitrag 9

Veröffentlicht am 12. November 2011

 

Also, ich glaube, ich habe lange genug gewartet, ohne dass etwas passiert ist. Es ist vorbei, davon kann man mit Sicherheit ausgehen. Coco und ich zogen zurück in unser eigenes Haus. Alles scheint zur Normalität zurückzukehren.

Und nach längerer Überlegung habe ich eine Hypothese für den ganzen Scheiß.

Ich glaube, die Hexe wurde durch einen „Fluch“ dazu gezwungen, diese schrecklichen Dinge zu tun. Der Fluch war wie ein Virus, der sie benutzte, um sich auf andere zu übertragen. Ich schätze, dass 1dollar.wav und alle damit verbundenen Dinge Duplikate dieses Virus waren. Ich kann nur vermuten, dass sein eigentlicher Name „Gier“ ist, denn so nannte ihn die Hexe immer. Wie „Gier“ entstand oder was ihr Zweck ist, darüber kann ich nur rätseln, doch die Hexe deutete an, dass sie sie erschaffen hatte, und es war ihr Schlamassel, der all das verursachte. Ich vermute, dass diese Dollars, die CD und die Hexe ein Überbleibsel der „Gier“ waren, und indem ich die Überbleibsel zerstörte, zerstörte ich auch die „Gier“ für immer. Die alte Hexe war so erpicht darauf, sich die „Beweise“ unter den Nagel zu reißen, um sie zu zerstören, weil sie den Fluch der „Gier“ vernichten wollte.

Ich weiß nicht, ob irgendetwas davon annähernd zutrifft, aber es juckt mich nicht wirklich. Ich gebe mich mit meiner Unwissenheit zufrieden, solange der Albtraum vorbei ist. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass er endlich vorbei ist.

 

Hmm… glaubst du das?

 

Originaltitel: 1dollar.wav

Autor: BlittleMcNilsen

Übersetzer: Creepostad M

Link zum Original:  http://creepypasta.wikia.com/wiki/1dollar.wav?page=4#comm-219880

Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/

 

1dollar.wav Audio:

https://vignette.wikia.nocookie.net/creepypasta/images/4/42/1dollar.ogg/revision/latest?cb=20111028010347


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