Meine Frau und ich fanden einen aktiven Telegraphen hinter einer Wand
Hierbei geht es um unser erstes Haus. Es ist ein altes, in das viel Arbeit gesteckt werden muss, doch klein Tommy und Diane hatten trotzdem noch große Vorstellungen. Wir entschieden, die unnütze Bibliothek in der Größe einer Besenkammer zu entfernen, was den Abriss einer Wand im ersten Stock erforderte. Unsere Hämmer schlugen gleich beim ersten Schwung wie nichts durch den tapezierten Putz und das Holz – durch die Wand, welche aussah, als wäre sie in Eile zusammengeschustert worden. Mitten im leeren Raum stand eine helle Kiste aus Messing auf einem dünnbeinigen Tisch. An dem Objekt waren ein kleines, poliertes Rädchen, das mich an eine altmodische Filmspule erinnerte, und ein tickender, sich bewegender Hebel.
Es handelte sich um einen Telegraphen aus dem 19.
Jahrhundert, dessen einzige Leitung abgetrennt war und im staubigen,
ungestrichenen Raum halb den Tisch herunterhing. Der Telegraph verklickte dennoch
eine Botschaft.
Meine Frau und ich sind Techniker und Wissenschaftler von
Beruf und von Natur. Wir beide schlussfolgerten, dass das sensible Gerät ein
starkes, elektromagnetisches Feld auffing, was auch erklären könnte, wieso
unsere Digitalkameras geschrottet wurden, nachdem sie nah genug dran waren, um
ein Bild zu machen. Meine Frau und ich versuchten, den Telegraphen
wegzubringen, nur um herauszufinden, dass er mit dem Tisch verschweißt war, und
der Tisch hätte glatt aus Titan bestehen und im Erdkern verankert sein können.
Meine Gattin wies mich auf den Boden unter dem Tisch hin: Dort lagen
handgefertigte Platten, Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte alt. Wir
machten uns daran, den 9m² kleinen Raum zu untersuchen, und wir entdeckten,
dass etwas Fundament unter den Platten und dem Holz zu sehen war. Es war kein
Beton, sondern Granit, das mit so etwas wie eingravierten Spiralen und
ineinandergreifenden Fraktalen verziert war. Meine Frau berechnete, dass die
Erosion des Gesteins 15.000 Jahre gedauert haben muss. Ich glaubte ihr; in
Geologie hatte Diane einen ihrer Doktortitel. Wir fuhren in die Innenstadt um
nachzuforschen.
Im Entwicklungsabteil umfasste das Immobilienverzeichnis der
meisten anderen Grundstücke bis zu einem Zehntel eines ganzen Ringbuchs; doch unser
Grund hatte ein eigenes, drei Zoll großes Buch. Es war das erste Gebäude in der
Stadt; eine Bank, welche etwa im Jahre 1880 den Rest der Stadt um sich herum
hervorbrachte. Die Bank wurde zu einer Bar, einer Schule, einem Theater, einem
Restaurant, einem Lebensmittelgeschäft und einem weiteren Dutzend
Organisationsformen, bevor es zu unserem Zuhause wurde. Egal, wie der Aufbau
aussah, es gab immer einen Raum in der Mitte des Hauses, welcher stets
unberührt blieb, als wir durch die verschiedenen Bauskizzen blätterten. Das
Telegraphiezimmer blieb immer stehen.
Diane schlug vor, dass wir Morsecodes lernen, um feststellen
zu können, ob die Maschine einen Code, willkürliche Signale oder gar eine klare
Botschaft vermittelt. Sich diese altertümlichen Codes einzuprägen ist
schwieriger, als es aussieht und verlangte von uns, drei Nächte lang mit
unseren Ratgebern zu büffeln und unsere Ohren darin zu üben, die nur ganz
leicht unterschiedlichen Tonabfolgen auseinanderzuhalten. In der vierten Nacht
fing ich an, eine Abfolge zu hören. Mir blieb genug Zeit, um die Buchstaben zu
finden und sie richtig aneinanderzureihen. Meine Frau überprüfte und bestätigte
mein Ergebnis:
„HALLO TOM UND DIANE“
Daraufhin flehte sie mich an, mit ihr zu gehen. Sie
befürchtete, dass die Leute, die um das Gerät herumbauten, starben. Sie
befürchtete, dass das Haus deshalb so billig war, und dass der Telegraph deshalb eingemauert wurde. Ich versuchte, gelassen und wissenschaftlich zu bleiben, und
sagte ihr, ich müsse hierbleiben, um den Apparat zu erforschen. Sie schlug mir
die Brille direkt aus dem Gesicht, und sie drohte mir, sie würde mir den Arm
aus meinem gottverdammten Schultergelenk reißen, wenn ich nicht mit ihr gehe.
Die Drohung war offensichtlich ein Bluff; ich wog doppelt so viel wie sie, aber
sie war halt verzweifelt. Das war unser erster Streit, und es war das letzte
Mal, als wir miteinander sprachen und uns berührten.
Sie ließ mich mit der Maschine zurück. Mit dieser
wundersamen Maschine, die mich um einen einfachen Gefallen bat: das Öl aus dem
Auto eines Fremden abzulassen. Ich tippte zurück, dass ich die Zahlen der
morgigen Lottoziehung will, und dass ich verspreche, ihren Wunsch zu erfüllen,
wenn sie mir die Gewinnzahlen gibt. Die Antwort:
„3, 8, 11, 21, 33, 38, 5“.
Jetzt bin ich im Besitz eines Lottoscheins im Wert von 69
Millionen Dollar… doch allein beim Gedanken an das Geld bekomme ich weiche Knie. Ich habe nicht einmal den Mumm, den Gewinnschein einzulösen. Der Telegraph hat
ein gigantisches Loch in mein logisches, rationales Universum gerissen, und ich
lebe in dieser friedlichen Ruhe vor dem Sturm, vor dem nicht aufzuhaltenden
Kollaps. Jetzt muss ich aber los und das Schicksal eines Fremden verändern. Nur
der Telegraph kennt den Grund dafür. Ich weiß nicht, was passieren wird, wenn
ich fertig bin.
Nur der Telegraph weiß es. Nur er allein.
Originaltitel: My Wife and I Found an Active Telegraph behind a Wall
Autor: IamHowardMoxley
Link zum Original: https://www.reddit.com/r/nosleep/comments/43f22h/my_wife_and_i_found_an_active_telegraph_behind_a/
Übersetzer: Creepostad M
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